Ruhetag und das Gegenteil

Ein geruhsamer Tag in Oruro. Viel war nicht zu tun. Ausruhen war angesagt. Die neue Tankentlüftung war schnell installiert. Dann ging es eigentlich nur darum einen Laden mit vernünftigem Kaffee zu finden. Immerhin hab ich die Tortenstraße entdeckt.

Gut ausgeruht geht es Richtung Norden. Ich will nicht auf der Hauptroute nach La Paz bleiben und suche mir eine Route weiter östlicht.

Unverhofft geht es erstmal über einen 4700 Meter hohen Pass. Es ist so kalt, dass ich alles anziehe was ich dabei habe. Eine Mörder-Prozedur, zudem auf 4000 Meter. Jetzt geht es halbwegs. Straße ist geteert und herrlich zu fahren. Ausblicke wieder grandios. Bilder gibt es kaum, war zu dick eingepackt.

Unten am Pass hört der Teer auf und die Piste beginnt. Ich hab 30 Kilometer bis zur anvisierten Hauptroute. Piste ist anspruchsvoll, da Steine und viele Kehren. Runter, hoch, inzwischen nur noch auf 2000 Meter und richtig warm bzw. schwül. Bis zur nächsten Pause schwitze ich wie verrückt.

Auf dieser Route hat es auch immer wieder Polizei-Check Points. Ein oder zwei Polizisten sitzt im Häuschen, oder auf einem Stuhl am Straßenrand und haben eine Schranke oder eine Schnur gespannt. Dann schreiben sie meine Daten in ein Buch und weiter darf ich. In der Mittagspause öffnet dann auch schon mal ein kleines Mädchen.

So jetzt kommt die Hauptroute, sagt das Navi. Wo ist sie denn? Die Piste ändert sich nicht. Luftline sind es 100 Kilometer zum geplanten Ziel. Auf der Straße 300!

Ich schaffe max. 30 Kilometer in der Stunde. Bis in den Ort schaffe ich es nie. Jetzt fahre ich halt mal. Es ist so wie man sich Bolivien vorstellt: Teils abenteuerliche Straßen, immer entlang den Bergen. Wenn ein Waypoint 10 Kilometer Luftlinie weg ist, dann sind das 30 Kilometer auf der Straße und etwa eine Stunde Fahrzeit.

So fahre ich vor mich hin. Hochkonzentriert. Keine Zeit für viele Bilder. Ab 4 suche ich einen Zeltplatz. Hotels gibt es nicht. Es besteht keine Möglichkeit in dem Gelände irgendwo das Zelt aufzustellen. Kurz nach 5 finde ich endlich die erste Möglichkeit: Ein kleiner Weg. Der endet zwar nach 30 Metern, aber das muss reichen. Glaube nicht, dass noch viel Besseres kommt. Noch bis zur Dämmerung gewartet und dann Zelt auf dem Weg aufgestellt. Vorher kommt noch ein alter Mann vorbei. Er muss was auf dem Feld arbeiten!? Meine Idee hier zu schlafen findet er in Ordnung. Eigentlich ist der Platz Mist. Nur wenige Meter von der Straße weg. Aber zumindest kann man mich nicht sehen (wenn ich mich ducke) und der Ausblick ist gut.

Mittelprächtig geschlafen (weil Weg schief), werde ich um 6 vom Verkehr geweckt. Wenige Meter von mir rumpelt alles Mögliche über die Piste. Um 7 bin ich auf der selbigen.

Eine Stunde lang hopple ich bis zur einzigen Tankstelle. Zwischendurch ein lautes Pfeifen. Was ist da kaputt? Ich halte an und mache den Motor aus. Es pfeift immer noch. Es ist dieser „Urwald“. Es muss riesige Grillen haben, die diesen ohrenbetäubenden Lärm machen. Gleich wieder die Ohrenstöpsel rein.

Wartend in der Tankschlange, kann ich nur durch hupen und wildem Geschrei verhindern, dass mich einer beim Rangieren über den Haufen fährt. Es geht immer weiter. Bis die Straße wieder mal gesperrt ist. Diesmal kein Streik, es findet eine Rallye statt. Klar, eine Rallye?! Die Sperrung soll drei Stunden dauern.

Ich warte 15 Minuten und drehe um. Ich hab eine kleinere Straße gefunden. Erst mal 20 Kilometer zurück. Meine Ausweichroute ist dann besser zu fahren als die Hauptroute. Dennoch kann hinter jeder Kurve Schluss sein. Aber es läuft und nach 1,5 Stunden bin ich wieder auf der Hauptroute. Dann ist sofort wieder Schluss. Hier läuft die nächste Etappe der Rallye. Sogar das Fernsehen ist da.

Jetzt gibt es keinen Umweg. Dafür sichere ich mir den Platz hinter der Pole Position und gute Sicht auf das Geschehen.

Völlig absurd die Vorstellung, dass die auf diesen Stecken auf Zeit fahren.

Nach einer Stunde geht es weiter und dann bin ich nach zwei Tagen an dem Zielort. Was für ein Ritt.

Jetzt mal einkaufen und was essen.

Bleibe wohl sogar zwei Nächte hier. Herberge ist zwar nur so „mittel“, aber der Mann macht guten Kaffee um die Aussicht …

6-3-2
Camino del Muerte

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