Warten – nein danke

Ich will heute nach Chile. Der Plan geht so aber nicht so richtig auf.

Am Morgen geht es zunächst zum Tanken. Dafür, dass es 8:30 ist, ist ziemlich viel los.

Tankstelle

Dann mache ich mich auf zum argentinischen Teil der Grenze. Der liegt gleich am Ausgang des Ortes. So, da hat es dann gleich mal zwei Kilometer Autoschlange. Ich fahre wie immer vorbei. Ein junger, voll motivierter Polizist vorne an der Grenze findet das gar nicht fein und schickt mich ans Ende der Schlange. Ich protestierte. Es geht lang hin und her. Auch Autofahrer, die mich unterstützen, überzeugen den Herren nicht. Sowas habe ich tatsächlich in all der Zeit hier auch noch nicht erlebt.

Dann finde ich noch heraus, dass sich die Abfertigung wegen einer Baustelle auf dem Pass auf unbekannte Zeit verzögert. Ich überlege: Der Pass wäre schon schön. Aber weiter Richtung Süden ist hier in Argentinien deutlich schöner. Ich überlege ein wenig hin und her. Trinke gar noch einen Kaffee an der Tankstelle. Entscheidung: Ich warte nicht.

So fahre ich die gleiche Stecke zurück die ich gekommen bin. Klingt langweilig? Ist es nicht! In dieser Landschaft wird es nicht langweilig!

Kein Mensch weit und breit
Berge in allen Formen
Pause im Schatten

350 Kilometer, eine Hand voll Autos, überwältigende Landschaft, ganz alleine. Fühlt sich schon besonders an.


Am nächsten Tag, geht es dann über den großen Pass wieder nach Chile. Zunächst 100 Kilometer nach Uspallata. Ein ordentlicher Teil davon Piste. Der erste Teil ist super easy und schnell.

Schnell geht es dahin

Auf dem zweiten Abschnitt muss man aufpassen. In der Nacht hat es geregnet und so hat es auf der ganzen Strecke ordentlich Schotter auf die Straße gespühlt. Schön weich und tief. Wahnsinn was ein wenig Regen anrichtet. Ich finde es aber ganz lustig, mag ja technische Passagen.

Regenschäden

Schwer bepackt und in unsicherer Fahrt kommt mit ein anderer Overlander auf seinem Motorrad entgegen. Kurzer Plausch und ich versichere Ihm, dass es bald einfacher wird. Da ist er froh.

Der Ort Uspallata hat sich für mich in der letzten Woche zum Drehkreuz entwickelt: Da kam ich aus Chile an, von da bin ich auf Piste nach Mendoza, bin auf anderer Piste wieder von Mendoza gekommen, bin dann nach Norden und jetzt geht es von dort aus wieder nach Chile. Glücklich stehe ich am Straßenrand und lasse diese letzten Tage Revue passieren.

Blick nach links: In die Berge ging es nach Mendoza
Blick nach vorn: Aus den Bergen bin ich aus Mendoza gekommen
Blick nach vorn: Hier geht es nach Chile
Blick zurück: Da komme ich heute her

Im Ort Tanken und dann geht es rechts den Pass hoch nach Chile. Die Überfahrt über die Anden ist hier übrigens 170 Kilometer lang.

Alte Einhausung für die Eisenbahn gegen Schnee
Innenansicht

Der Grenzübergang ist ganz modern. Argentinien und Chile kombiniert. Alle Motos werden gleich mal von den Offiziellen nach vorne gewunken. So geht das!

Ganz moderne Grenze

Trotzdem allem „modern“ muss man von Häuschen zu Häuschen laufen. Und weil die teilweise zwei Schritte auf einmal machen, bin ich nie sicher, ob ich wirklich alles habe. Aber wir Motos haben eine extra orange Frau die uns dirigiert.

Grenzhäuschen

Die Dame hat es nicht leicht mit uns. Ich und eine Gruppe Brasilianer. Wir haben viel Spaß beim gemeinsamen Ausfüllen der Dokumente. Wir sind 10 Mann und teilen uns 2 Stifte. Stört aber keinen. Im Gegenteil, so können wir dazwischen tolle Gespräche auf Deutsch führen: „Bier, Oktoberfest, sehr gut.“ Und dazwischen frägt immer einer was jetzt denn hier im Feld eingetragen werden muss. Bald laufen wir alle verstreut durch die Halle und rufen uns zu, zu welchem Häuschen man als nächstes muss.

Nach einer halben Stunde verabschieden wir uns mit Handschlag von einander und wünschen uns „Boa viagem!“.

Betreute Grenzformalitäten

Und nach 70 weiteren Kilometern war ich dann am Ziel dieser Etappe. Entspannte 35 Grad hat es hier unten. Erst mal in den Pool.

Abkühlung

Wer sich über die etwas konservative Routenwahl wundert, immerhin hätte es ja nördlich von Las Flores noch ein paar spannende Pisten gegeben (u.a. 170 Kilometer wild in die Berge). Die hat tatsächlich einen Grund. Nachdem die CFMOTO nun 4 Monate ohne Probleme gelaufen ist, hat der Lüfter seinen Geist aufgegeben. Zwar konnte ich ihn in einer guten Schrauberaktion wieder reanimieren, aber ich bin nicht sicher wie lange er hält. Etwas schade, denn ich bin gerade in bester Pistenlaune. Aber jetzt sind es nur noch ein paar Tage bis zum Rückflug. Da gehe ich kein Risiko mehr ein oder eine nachhaltige Reparatur an.

Tierwelt Südamerika
Die letzten Tage

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