{"id":5518,"date":"2016-01-24T14:11:34","date_gmt":"2016-01-24T12:11:34","guid":{"rendered":"http:\/\/roadstomongolia.com\/?p=5518"},"modified":"2018-09-21T17:52:37","modified_gmt":"2018-09-21T15:52:37","slug":"5-tage-zup","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/roadstomongolia.com\/?p=5518","title":{"rendered":"5-Tage-Zug"},"content":{"rendered":"<p>Tag 80 bis 83 \u2013 17. bis 20. August<br \/>\n17. August und die folgenden Tage. Wir schaukeln durch die Nacht. Ab und zu werden wir wach, aber unterm Strich schlafen wir doch einige Stunden und wachen am Morgen relativ fr\u00fch auf, allerdings bleiben wir noch etwas liegen, bevor wir dann doch aufstehen. Drau\u00dfen zieht gleichm\u00e4\u00dfig die sibirische Taiga vorbei, endlose Birken- und Tannenw\u00e4lder, immer wieder mal ein paar Fl\u00fcsse oder Seen, dazu Berge und nat\u00fcrlich k\u00f6nnen wir viele Blicke auf die BAM werfen und erfreuen uns daran, dass wir unser Vorhaben geschafft haben.<\/p>\n<p>Einer von uns bestellt bei den Schaffnerinnen Tee und passend dazu kommt eine der Damen aus dem Speisewagen vorbei, die Blinis und Kascha anbietet. Wir schlagen zu und genie\u00dfen dann unser Fr\u00fchst\u00fcck. Anschlie\u00dfend vertreiben wir uns die Zeit mit Plaudereien, lassen die bew\u00e4ltigten Strecken Revue passieren, lesen ein bisschen und h\u00f6ren Musik. Au\u00dferdem gucken wir immer wieder aus dem Fenster und sind fasziniert von der Taiga und der Streckenf\u00fchrung der Bahn. An den Haltepunkten steigen wir aus und schauen uns auf dem Bahnsteig um. Leider ist es nicht mehr so wie oft beschrieben, dass an den Stationen Babuschkas Lebensmittel und Getr\u00e4nke verkaufen d\u00fcrfen. Die Bahn geht dazu \u00fcber feste Kioske einzurichten f\u00fcr den Bedarf der Reisenden. Aber wir haben Gl\u00fcck, an einem Haltepunkt ist der Bahnsteig voller Babuschkas und H\u00e4ndler, die Obst, Gem\u00fcse, ger\u00e4ucherten Fisch, ja sogar Pelzm\u00fctzen anbieten. Wir schlagen ordentlich zu und genie\u00dfen erst einmal die s\u00fc\u00dfen Backwaren und sp\u00e4ter dann ein leckeres Abendbrot, bestehend aus Tomaten, Gurken, Brot und R\u00e4ucherfisch. Dazu, wie kann es anders sein, ein lecker Bier :bier:<\/p>\n<p>Heute brauchen wir nicht in den Speisewagen zu gehen. Irgendwann am Abend geht es dann wieder in die Kojen und wir lassen uns in den Schlaf schaukeln.<\/p>\n<p>18. August. Nach einer etwas unruhigen oder besser gesagt durchschaukelten Nacht stehen wir wieder auf und bestellen den obligaten Tee bei den Schaffnerinnen, der \u00fcbrigens stilecht in den klassischen Gl\u00e4sern mit Zitrone serviert wird und ausgesprochen gut schmeckt. Dazu gibt es erst einmal nur ein Snickers, weil sich die Dame aus dem Speisewagen versp\u00e4tet. Aber zum Gl\u00fcck sind wir nicht so hungrig und k\u00f6nnen ein wenig warten. Ansonsten verl\u00e4uft der Tag \u00e4hnlich wie der vorherige. Nur bei der \u00dcberquerung des Vitim kommt noch einmal Leben in die Bude, schlie\u00dflich m\u00fcssen wir doch die ber\u00fcchtigte Br\u00fccke einmal aus anderer Perspektive sehen.<br \/>\nDanach hole ich das Netbook raus und schreibe am Blog, schlie\u00dflich war auf der BAM doch nicht so viel Gelegenheit zum Schreiben. John versucht derweil seinen Freund zu erreichen, um die Kupplung f\u00fcr den Beemer zu organisieren. Weil der aber irgendwie nicht greifbar ist, versuchen wir den BMW-H\u00e4ndler in Krasnojarsk zu erreichen. Wundersamer weise hat der sogar eine Kupplung f\u00fcr die WC-ADV vorr\u00e4tig und es gibt dort sogar Jemand, der Englisch spricht. Also versuchen wir das so zu organisieren, dass ein Mitarbeiter rechtzeitig zur Ankunft des Zuges in Krasnojarsk mit der Kupplung am Bahnhof steht. Nach einigen Telefonaten scheint das auch soweit okay zu sein. Wir werden sehen.<br \/>\nApropos sehen, drau\u00dfen tauchen erste richtige Berge auf und der Zug klettert in gro\u00dfen Kehren die Steigung hinauf. Dabei k\u00f6nnen wir einen guten Blick auf das St\u00e4dtchen Tunnelny werfen und die gesamte Anlage bewundern, schlie\u00dflich der Tunnel erst in den Neunzigern fertig geworden und gilt als technisches Meisterwerk. Dann verschwindet der Zug in dem langen Tunnel. Dabei k\u00f6nnen wir dank der Beleuchtung den Tunnel gut einsehen, der wie die Br\u00fccken bereits f\u00fcr zweigleisigen Verkehr vorbereitet ist. Wenn man an das Klima und die geografischen Gegebenheiten denkt muss man echt den Hut ziehen vor den Erbauern der BAM und kann sich gut vorstellen, welchen Aufwand es braucht, um diese Strecke zu warten und f\u00fcr den Verkehr offen zu halten. Nicht umsonst k\u00f6nnen wir in den gr\u00f6\u00dferen Stationen vollst\u00e4ndig ausger\u00fcstete Bergez\u00fcge, meist mit zwei Eisenbahnkr\u00e4nen von Takkraf und diversen Raupen und Kettenschleppern sowie Feuerl\u00f6schz\u00fcge sehen, die ebenfalls sozusagen fertig zur Abfahrt sind.<\/p>\n<p>Wirklich beeindruckend die Infrastruktur. In der N\u00e4he von Novo Uoyan sehen wir dann Berge von vorbereiteten Gleisst\u00fccken, die wohl sukzessive verbaut werden und k\u00f6nnen diverse Baustellen beobachten, wo bereits das Gleisbett f\u00fcr ein zweites Gleis vorbereitet wird. Wer wei\u00df, vielleicht ist die Strecke in wenigen Jahren komplett zweigleisig ausgebaut und man kann dann nicht mehr parallel zum Gleis fahren. Das w\u00e4re m\u00f6glicherweise das Ende der BAM als Strecke f\u00fcr Abenteuerreisende wie uns. Aber vielleicht wird die Piste auch wieder hergerichtet, schlie\u00dflich wird f\u00fcr den Ausbau auch eine Baustra\u00dfe ben\u00f6tigt f\u00fcr die Lkw. Immerhin sind ja etliche Br\u00fccken neu gebaut worden bzw. in gutem Zustand, besonders im westlichen Abschnitt hin zum Baikalsee.<br \/>\nGegen Abend erreichen wir dann den Baikal und der Zug h\u00e4lt f\u00fcr einen kurzen Stopp in Severobaikalsk. Nun kommt ein bisschen Wehmut auf, weil wir in der Nacht die klassische BAM verlassen und uns irgendwie vom echten Sibirien entfernen.<\/p>\n<p>Egal, wir haben Hunger und wandern wieder zum Speisewagen. Mittlerweile haben sich die Ger\u00fcche in den Gro\u00dfraumwaggons zu einem unangenehmen Odem verdichtet und wir sind sowas von gl\u00fccklich, dass wir uns ein Kupee geg\u00f6nnt haben\uf04a Leider hat das Angebot im Speisewagen stark nachgelassen, es gibt nur noch den Salat und Kottlett mit Reis\u2026 Aber immerhin haben sie nach wie vor k\u00fchles Bier. Insofern passt das schon.<br \/>\nAnschlie\u00dfend bauen wir unsere Betten und legen uns hin. Das Schaukeln hat etwas nachgelassen und der Zug scheint auch schneller unterwegs zu sein, also Alles gut.<\/p>\n<p>19. August. \u201cThe same procedure as every day\u201d k\u00f6nnte man sagen. In gewisser Weise l\u00e4uft der Tag im gleichen Rhythmus ab wie die Vortage. Nur die Landschaft ver\u00e4ndert sich ein wenig. Die W\u00e4lder werden lichter und es tauchen h\u00e4ufiger kleine Ortschaften neben der Strecke auf und es gibt deutlich mehr landwirtschaftlich genutzte Fl\u00e4chen. Auch werden die St\u00e4dte gr\u00f6\u00dfer wie Bratsk, Krasnojarsk und Novosibirsk. Wir n\u00e4hern uns unaufhaltsam der westsibirischen Tiefebene.<br \/>\nApropos Krasnojarsk. Heute kommt es drauf an. Wenn Alles gut geht kann John hier die Kupplung in Empfang nehmen und wir k\u00f6nnen den Beemer dann in Moskau z\u00fcgig reparieren.<\/p>\n<p>In Krasnojarsk angekommen marschieren Tobias und John nach kurzem Telefonat mit dem BMW-H\u00e4ndler zum Bahnhofsausgang um den die Kupplung in Empfang zu nehmen. Wir haben eine gute halbe Stunde als Zeitfenster zur Verf\u00fcgung. Ich halte derweil die Stellung und beobachte das bunte Treiben auf dem Bahnsteig. F\u00fcnf Minuten vor Abfahrt des Zuges werde ich langsam nerv\u00f6s, Tobias und John sind noch nicht zu sehen und eins ist ganz sicher, der Zug wird nicht warten\u2026 Doch zum Gl\u00fcck tauchen die Beiden rechtzeitig auf, allerdings ohne Kupplung, irgendwie hat es wohl der Bote nicht rechtzeitig zum Bahnhof geschafft. Dumm gelaufen, also muss eine neue L\u00f6sung her. Da Johns Freund immer noch nicht greifbar ist rufe ich zu Hause an und bitte Barbara, doch in Moskau die BMW- H\u00e4ndler abzutelefonieren. Leider ohne Ergebnis, keiner hat eine Kupplung vorr\u00e4tig und es w\u00fcrde 2 Wochen dauern bis eine Kupplung aus M\u00fcnchen beim H\u00e4ndler in Moskau ist. Eigentlich ist die Kupplung innerhalb von 48 Stunden in Moskau, aber der Zoll braucht halt seine Zeit, auch wegen der aktuellen Sanktionen der EU. Mist!<br \/>\nAlso bleibt nur eine Alternative, Barbara bestellt die Kupplung bei BMW-Hamburg und John fliegt von Moskau nach Hamburg um die Kupplung abzuholen. Soweit so gut, aber das kostet zumindest 2 Tage Zeit.<br \/>\nSo lange wir im Zug sind k\u00f6nnen wir nicht mehr tun, also genie\u00dfen wir die Bahnfahrt so gut es geht und vertreiben uns die Zeit wie gehabt, aus dem Fenster gucken, Geschichten erz\u00e4hlen, Musik h\u00f6ren und schlafen.<\/p>\n<p>So endet dieser Tag dann ebenfalls mit dem Besuch des Speisewagens und dem obligatorischen Bier.<\/p>\n<p>20. August. Ein weiterer Tag auf der Eisenbahn. Mittlerweile sind wir auf der Hauptstrecke gelandet, die auch von der Transsib befahren wird. Der Zug f\u00e4hrt nun mit gut 100 km\/h und die Strecke ist seit l\u00e4ngerem zweigleisig und viel befahren, sowohl von Personen- als auch G\u00fcterz\u00fcgen. Wobei die G\u00fcterz\u00fcge nach wie vor beeindruckend lang sind und von riesigen dreifach gekoppelten Lokomotiven gezogen werden. In der Nacht haben wir den Hauptkamm des Ural \u00fcberquert und sind wieder in Europa angelangt. Zum Fr\u00fchst\u00fcck k\u00f6nnen wir die westlichen Ausl\u00e4ufer des Ural bewundern, allerdings sind es eher H\u00fcgel als Berge. Daf\u00fcr ist die Gegend mittlerweile landwirtschaftlich gepr\u00e4gt, viele Siedlungen sind zu sehen und die Bahnh\u00f6fe deutlich h\u00e4ufiger als vorher. Gestern haben wir noch einige gro\u00dfe Fl\u00fcsse gequert wie den Ob und den Irtisch, heute die Wolga und einige kleinere Fl\u00fcsse.<br \/>\nDer Tag verl\u00e4uft \u00e4hnlich entspannt wie die Vortage, allerdings stehen wir \u00f6fter am Fenster und schauen uns die vorbeiziehende Landschaft an, die sich doch erheblich von der Taiga unterscheidet. Auf den Feldern sind bereits die Erntemaschinen zu Gange und etliche Fl\u00e4chen sind bereits abgeerntet. Immerhin ist es ja fast Ende August.<\/p>\n<p>Wir haben gute Nachrichten von zu Hause, die Kupplung ist in Hamburg und kann abgeholt werden. Also kann John gleich Morgen in den Flieger steigen und die Kupplung abholen.<br \/>\nZum Abend geht es wieder in den Speisewagen, mittlerweile wird\u2019s echt langweilig mit dem Klassiker Kottlett, aber das Bier schmeckt trotzdem und nach dem Essen geht\u2019s zur\u00fcck in unser Kupee, wo wir soweit schon mal alles zusammen suchen und einpacken, denn morgen fr\u00fch um halb F\u00fcnf sollen wir in Moskau sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tag 80 bis 83 \u2013 17. bis 20. August 17. August und die folgenden Tage. Wir schaukeln durch die Nacht. 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