{"id":5515,"date":"2016-01-24T14:09:33","date_gmt":"2016-01-24T12:09:33","guid":{"rendered":"http:\/\/roadstomongolia.com\/?p=5515"},"modified":"2018-09-21T17:52:37","modified_gmt":"2018-09-21T15:52:37","slug":"mit-der-bahn-nach-moskau","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/roadstomongolia.com\/?p=5515","title":{"rendered":"mit der Bahn nach Moskau"},"content":{"rendered":"<p>Tag 79 &#8211; August<br \/>\n16. August. Heute geht es los, sprich wir werden mit der Bahn nach Moskau fahren. Insgesamt gut 5 Tage auf der Eisenbahn und das spannende daran ist, dass wir quasi die BAM in Richtung Westen fahren und wir unsere gefahrene Strecke einmal aus einer anderen Perspektive sehen werden.<br \/>\nAber zuerst wird gefr\u00fchst\u00fcckt und dann gepackt. John und ich haben relativ wenig Gep\u00e4ck, weil wir unsere Moppedklamotten zusammen mit den Motorr\u00e4dern verladen haben. Tobias hat eine gro\u00dfe Tasche gekauft, in der er seine Fahrerausr\u00fcstung inklusive Stiefel und Helm unterbringen kann.<br \/>\nSicherheitshalber fahren wir zeitig runter zum Bahnhof, damit uns nicht aus Versehen der Zug vor der Nase wegf\u00e4hrt. Das Problem ist n\u00e4mlich, dass der gesamte Bahnverkehr nach Moskauer Zeit abl\u00e4uft und die Anzeigen im Bahnhof ebenfalls auf Moskauer Zeit eingestellt sind. Das hei\u00dft, wir m\u00fcssen in Tynda daran denken, dass wir Moskau sechs Stunden voraus sind. Aber egal, wir sind nat\u00fcrlich gut eine Stunde vor Abfahrt des Zuges am Bahnhof. Die Suche nach dem richtigen Waggon gestaltet sich etwas schwierig, weil der Zug noch aufgeteilt ist und auf zwei Bahnsteigen steht. Doch Maxim taucht pl\u00f6tzlich auf um uns zu verabschieden und mit seiner Hilfe finden wir dann den richtigen Waggon, Wagen Nummer 16, nat\u00fcrlich ganz am Ende des Zuges\u2026<\/p>\n<p>Die T\u00fcr wird, wie in Russland \u00fcblich von den beiden Schaffnerinnen bewacht, die nat\u00fcrlich nicht nur unsere Fahrkarten sondern auch den Reisepass kontrollieren. Schon etwas komisch, aber wie wir mittlerweile ergoogelt haben, eine f\u00fcr Russland normale Prozedur. Wir werden dann von einer der Damen zu unserem Abteil oder wie das hier hei\u00dft Kupee geleitet und verstauen erst einmal unser Gep\u00e4ck. Dann wird es Zeit f\u00fcr den n\u00f6tigen Reiseproviant. Zum Gl\u00fcck hat der Bahnhof diverse kleine Superm\u00e4rkte, wo wir uns mit Vorr\u00e4ten eindecken:<br \/>\nReichlich Wasser, dazu Getr\u00e4nke mit Geschmack wie Cola und Bier, Chips, Snickers, Zigaretten und Brot, Obst, Wurst und K\u00e4se. Schlie\u00dflich m\u00fcssen wir f\u00fcnf Tage durchhalten. Zwar hat der Zug einen Speisewagen, aber man wei\u00df ja nie.<br \/>\nBeim Einkaufen erleben wir noch, was eine falsch entnommene Flasche im K\u00fchlschrank anrichten kann, der gesamte Inhalt, hier ausschlie\u00dflich PET-Flaschen ergie\u00dft sich auf den Boden. Die ansonsten tiefenentspannte Verk\u00e4uferin kommt ziemlich in Wallung und beschimpft den Verursacher wegen seiner Dusseligkeit. Wir verstehen zwar kein Wort, aber es ist deutlich zu h\u00f6ren, dass es sich um diverse Schimpfw\u00f6rter, wohl meistens Tiernamen wie Hornochse, Esel und so weiter handelt.<br \/>\nWir sehen zu das wir unseren Einkauf bezahlen und machen uns auf den Weg zur\u00fcck zum Zug, wo wir unsere Eink\u00e4ufe unter den Sitzen verstauen. Dann wieder raus auf den Bahnsteig und dem bunten Treiben zugucken. Dazu ein bisschen Rauchen und mit Maxim plaudern. Ein Reisender will in unseren Waggon, wird aber von den Schaffnerinnen aufgehalten, weil anscheinend irgendwas mit seiner Fahrkarte oder Papieren nicht stimmt, es entwickelt sich ein hitziger Disput, den letztlich die Damen f\u00fcr sich entscheiden. Niedergeschlagen zieht der Fahrgast von dannen. Sp\u00e4ter sehen wir noch eine Art Bahnpolizei zusteigen, auf die wir w\u00e4hrend der Reise immer wieder treffen wenn sie durch den Zug patrouilliert. Wir sind also ziemlich sicher hier bei der Dichte von Personal. Je Waggon 2 Schaffnerinnen, dazu noch mindestens 2 Zugf\u00fchrer und die 4 Bahnpolizisten.<br \/>\nKurz vor der Abfahrt wird es auf dem Bahnsteig hektisch, die Schaffnerinnen treiben ihre Sch\u00e4fchen zusammen und lassen sie einsteigen, dann geht ein Ruck durch die Waggons, sprich, der andere Teil des Zuges wurde angekuppelt und wir k\u00f6nnen nun sehen, dass unser Zug verdammt lang ist und wir eine der gro\u00dfen Dieselloks vorgespannt bekommen. Dann f\u00e4hrt der Zug langsam an und in jeder T\u00fcr steht eine Schaffnerin mit einem kleinen F\u00e4hnchen und signalisiert dem Zugf\u00fchrer, dass Alles bereit zur Abfahrt ist. Als der Zug genug Fahrt aufgenommen hat werden die T\u00fcren verschlossen und gesichert. Wir stehen am Fenster und beobachten, wie Tynda und seine Bahnanlagen an uns vor\u00fcber ziehen.<\/p>\n<p>Es ist ein ziemlich gro\u00dfer Knotenpunkt, weil hier die Verbindung zur Transsib verl\u00e4uft wie auch die \u00f6stliche BAM nach Vanino, einem gr\u00f6\u00dferen Containerhafen im Ochotskischen Meer und die Strecke nach Norden, die wohl bis Jakutsk verl\u00e4ngert werden soll.<br \/>\nIm Gegensatz zum Bauzug rollt unser Zug mit Vorrang \u00fcber die Gleise. Immer wieder sehen wir an den Ausweichstellen und kleineren Haltepunkten schwere G\u00fcterz\u00fcge, die auf freie Fahrt sowohl nach Westen als auch nach Osten warten.<\/p>\n<p>Der Zug f\u00e4hrt mit vielleicht 80 km\/h durch die Taiga, wobei man an den St\u00f6\u00dfen im Zug schon merkt, dass der Unterbau ziemlich stark unter den klimatischen Bedingungen leidet. Meist verl\u00e4uft die Piste parallel zur Bahntrasse, so dass wir den doch relativ guten Zustand sehen k\u00f6nnen. Es entspricht den Beschreibungen aus dem ADV-Rider-Forum, wo es hei\u00dft, die letzten 150 km der BAM nach Tynda sind in gutem Zustand.<br \/>\nAm sp\u00e4ten Nachmittag erreichen wir Chilchi, wo der Zug einen kurzen Halt einlegt. Leider ist Natascha nicht im Dienst und Chilchi damit nicht wirklich sehenswert. Weiter geht\u2019s und dann \u00fcberqueren wir unseren \u201eSchicksalsfluss\u201c, von der Eisenbahnbr\u00fccke aus k\u00f6nnen wir sehen, dass der Wasserstand niedriger ist als vor 5 Tagen, aber egal, es ist wie es ist :winken:<\/p>\n<p>Als es langsam dunkel wird entscheiden wir uns daf\u00fcr, den Speisewagen aufzusuchen. Der Weg f\u00fchrt uns durch insgesamt 5 Waggons, davon sind drei Gro\u00dfrumwaggons. Hier ist das pralle Leben, keine abgetrennten Abteile, sondern alles offen und voller Menschen die sich soweit auf ihren Betten eingerichtet haben. Wir k\u00f6nnen einen interessanten Duftcocktail riechen, eine Mischung aus menschlichen Ausd\u00fcnstungen, vollen Windeln, diversen Lebensmitteln wie Fisch, Knoblauch etc. und Schwei\u00df\u2026 Es herrscht ein ziemlicher L\u00e4rm, Musik, Kindergeschrei, laute Unterhaltung, dazu die Fahrtger\u00e4usche\u2026 Gut dass wir uns ein Kupee geg\u00f6nnt haben.<br \/>\nEndlich im Speisewagen sind wir \u00fcberrascht, ziemlich modern und gut eingerichtet, voll klimatisiert, ein mit k\u00fchlem Bier gef\u00fcllter K\u00fchlschrank und die Speisekarte sieht vielversprechend aus und ist sogar mit englischer \u00dcbersetzung versehen. Die Kellnerin ist etwas trutschig, aber freundlich, Bier bestellen ist ja noch einfach, diesmal nehmen wir Tuborg mangels einheimischer Marken. Beim Essen wird es etwas schwierig, weil trotz der reichhaltigen Speisekarte nicht mehr alle Gerichte verf\u00fcgbar sind. Wir entscheiden uns f\u00fcr einen Salat und das obligatorische Kottlett mit Reis bzw. P\u00fcree. Der Salat ist wirklich lecker und auch der Hauptgang mundet uns. Noch ein zweites Bier und dann geht es wieder zur\u00fcck zu unserem Waggon und in unser gem\u00fctliches Kupee.<br \/>\nEin bisschen wird noch erz\u00e4hlt und dann machen wir uns bettfertig. Die Pritschen sind gar nicht so unbequem und die Decken reichen aus. Nur eins macht Probleme, was uns tags\u00fcber gar nicht so sehr aufgefallen ist trifft uns nun ziemlich unvorbereitet. Der Waggon bockt und springt auf dem ausgefahrenen Unterbau hin und her, besonders wenn es \u00fcber Weichen geht hat man das Gef\u00fchl, gleich wird man von der Pritsche geschleudert. Wir liegen wohl ziemlich genau \u00fcber dem Drehgestell vermuten wir. In der Tat, am n\u00e4chsten Halt gucken wir nach und finden unsere Vermutung best\u00e4tigt. Trotzdem fallen wir irgendwann in den Schlaf.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tag 79 &#8211; August 16. August. 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