{"id":4364,"date":"2015-07-16T16:53:04","date_gmt":"2015-07-16T14:53:04","guid":{"rendered":"http:\/\/roadstomongolia.com\/?p=4364"},"modified":"2018-09-21T17:52:39","modified_gmt":"2018-09-21T15:52:39","slug":"ein-tach-aufm-amt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/roadstomongolia.com\/?p=4364","title":{"rendered":"Ein Tach aufm Amt"},"content":{"rendered":"<p>15. Juli. Eigentlich wollten wir heute ein kleines bisschen fahren, 20 km die Stra\u00dfe rauf gibt es eine kleine Stichstra\u00dfe, die anscheinend zum Fu\u00df der Berge f\u00fchrt und f\u00fcr die augenscheinlich kein Propusk notwendig ist. Es gab wieder das klassische europ\u00e4ische Fr\u00fchst\u00fcck, nat\u00fcrlich selbst gemacht. Weil ich noch mit meiner Frau telefonieren wollte legten wir den Start auf kurz nach Zehn.<br \/>\nAber erstens kommt es anders als man zweitens denkt. Viertel vor Zehn klopfte es an der Zimmert\u00fcr und eine nette Dame kam ins Zimmer, forderte uns auf, Passport und Immigrationcard zu nehmen und ihr zu folgen. Mit vielen Fragezeichen im Gesicht nahmen wir unsere Papiere und vier Reisende folgten ihr die Stra\u00dfe entlang zur \u00f6rtlichen Meldebeh\u00f6rde.<\/p>\n<p align=\"center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/roadstomongolia.com\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/20150715_122731.jpg\" alt=\"20150715 122731\" width=\"450\" height=\"253\"><\/p>\n<p>Dort erkl\u00e4rte uns eine junge Sachbearbeiterin in relativ gutem englisch, dass unser Visa nicht mit dem Eintrag auf der Immigrationcard \u00fcbereinstimme und wir deswegen eine Erkl\u00e4rung abgeben m\u00fcssen. Dazu kam noch, dass bei einem Australier der Zeitraum im Visa \u00fcberschritten war, weil die mongolische Grenze geschlossen war. Wie dem auch sei, die netten M\u00e4dels im B\u00fcro versuchten auf au\u00dferordentlich umst\u00e4ndliche Weise dieses nicht ins Standardschema passende Problem zu l\u00f6sen.<\/p>\n<p align=\"center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/roadstomongolia.com\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/20150715_105559.jpg\" alt=\"20150715 105559\" width=\"450\" height=\"253\"><\/p>\n<p>In unseren Visa war als Grund des Besuches \u201ecultural relationship\u201c eingetragen, auf der Immigratiocard haben die Grenzer aber \u201ePrivat\u201c als Besuchsgrund unterstrichen, wohl weil auf diesem Formular kein anderes Feld auch nur ann\u00e4hernd mit dem Visaeintrag \u00fcbereinstimmte. Naja, das schien auf jeden Fall ein ernsthaftes Problem zu sein, wir mussten ihnen erkl\u00e4ren, was unter \u201ecultural relationship\u201c zu verstehen sei. Also sagten wir, wir machen Fotos von der Landschaft, treffen uns mit Russen, um mehr \u00fcber Land und Leute erfahren, f\u00fchren einen Reisebericht im Internet und halten in Deutschland Vortr\u00e4ge \u00fcber unsere Reise und Erlebnisse w\u00e4hrend dieser Reise. Das versuchten die M\u00e4dels dann in ein Formular einzutragen und uns dann diese \u201eErkl\u00e4rung\u201c unterschreiben zu lassen. Allein das Fertigen dieser Erkl\u00e4rung mit diversen Nachfragen dauerte bis halb Eins. Dann bekam ich das erste Exemplar zum lesen oder besser gesagt einigerma\u00dfen verst\u00e4ndlich \u00fcbersetzt und zeichnete es ab.<\/p>\n<p align=\"center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/roadstomongolia.com\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/20150715_122733.jpg\" alt=\"20150715 122733\" width=\"450\" height=\"253\"><\/p>\n<p>Dann musste es ge\u00e4ndert werden, weil ja auch noch der Passus \u201e\u00fcbersetzt und verstanden, Angaben nach bestem Wissen und Gewissen abgegeben\u201c eingef\u00fcgt werden musste. Also das Ganze noch einmal. Nachdem meine Erkl\u00e4rung fertig war kam Tobias an die Reihe. Nat\u00fcrlich wieder mit vielen Nachfragen und dann bekam Tobias das Exemplar zur Unterschrift vorgelegt. Als er mit freundlich sp\u00f6ttischen Unterton fragte \u201edidnt i got a translation?\u201c lachten wir wohl etwas zu laut, was der Chefin anscheinend gegen den Strich ging, sie rief die Sachbearbeiterin zu sich und verpasste ihr ein paar harsche Worte. Sichtlich geknickt kam sie zur\u00fcck und gab uns zu verstehen, dass wir zur\u00fcck ins Hotel gehen sollten und sie w\u00fcrden dort anrufen, wenn alle Papiere fertig sind. Wir haben dieses Problem wohl nicht mit der nach Ansicht der Chefin gebotenen Ernsthaftigkeit aufgenommen denke ich. Doch was bleibt uns Anderes \u00fcbrig, als das Ganze gelassen zu sehen? Aufregen macht keinen Sinn, die M\u00e4dels machen nur ihre Arbeit. Okay, ich h\u00e4tte das vielleicht anders gehandhabt, aber ich bin ja auch ein alter Verwaltungshase, die M\u00e4dels hingegen vielleicht zwei oder drei Jahre dabei und mit so einem Vorgang v\u00f6llig \u00fcberfordert.<br \/>\nZur\u00fcck im Hotel kochten wir uns erst einmal ein Mittagessen, schlie\u00dflich macht Verwaltungsarbeit hungrig. Danach ist Tobias dann doch zum B\u00fcro gegangen und kam wieder erwarten mit unseren Papieren und Kopien unserer Erkl\u00e4rung zur\u00fcck. Also dauerte der gesamte Proze\u00df knapp F\u00fcnf Stunden. Da wiehert der Amtsschimmel w\u00fcrde ich sagen. Einhellig haben wir dann beschlossen, das Papier vorerst nicht an der Grenze vorzuzeigen und bei der n\u00e4chsten Einreise bei der \u201eImmigrationcard\u201c auf den richtigen Eintrag zu achten.<br \/>\nAuch wenn nahezu der ganze Tag gelaufen ist war es doch eine Art Abenteuer:-)<br \/>\nWas uns ein wenig zu denken gibt ist der scheinbar schlechte Stand der Ausbildung der Leute in der Verwaltung, sie arbeiten sehr langsam, Eingaben in den PC dauern unendlich lange und das l\u00e4sst sich nicht nur damit erkl\u00e4ren, dass sie unsere Namen quasi ins russische \u00fcbersetzen m\u00fcssen. Vorg\u00e4nge au\u00dferhalb von 08\/15 scheinen sie v\u00f6llig zu \u00fcberfordern&#8230;<br \/>\nEbenfalls \u00fcberraschend ist, das sich sowohl in den Hotels als auch in den Gesch\u00e4ften der Taschenrechner als unverzichtbares Tool eingeb\u00fcrgert hat. Selbst einfachste Additionen und Subtraktionen werden damit durchgef\u00fchrt, zum Beispiel 100 + 20&#8230; unglaublich aus unserer Sicht. Wirklich erkl\u00e4ren l\u00e4sst sich das nicht, zumal bei uns heutzutage zumindest die Grundrechenarten nach wie vor gelehrt werden, andererseits erinnere ich so manchen Restaurantbesuch, wo wir kopfsch\u00fcttelnd das Lokal verlassen haben ob der Rechenk\u00fcnste des Personals.<br \/>\nM\u00f6glicherweise hat das ehemals gute russische Schulsystem b\u00f6se nachgelassen oder die schlechten Sch\u00fcler landen in der Verwaltung oder dem Dienstleistungssektor, was ich ebenso nicht wirklich glauben kann.. Oder aber die nun viel selbst\u00e4ndigeren Teilrepubliken der russischen F\u00f6deration haben sich auf andere Schwerpunkte statt Bildung festgelegt. Mal sehen, was meine Tante als ehemalige Lehrerin dazu sagen wird.<br \/>\nDa Tobias seinen Kettensatz gewechselt hat wollte er dann doch noch ein St\u00fcck fahren. Als er zur\u00fcck kam konnte er ein paar Neuigkeiten in Sachen Grenze berichten. Morgen um Neun Uhr wird die Grenze ge\u00f6ffnet und es stehen derzeit ca. 20 Autos vor der Grenze aufgereiht, dazu einige Radfahrer und eine Handvoll Moppeds. Weitere 20 Autos sind wohl wieder zur\u00fcck nach Kosh Agach gefahren. Das kann Morgen also recht interessant werden. Andererseits stehen Motorr\u00e4der nicht in der Schlange, sondern fahren bis zum Stoppschild durch :-)<br \/>\nWir planen um 07:30 Uhr los zu fahren, damit wir rechtzeitig an der Grenze sind. Ansonsten lassen wir uns \u00fcberraschen, wie sich der Grenz\u00fcbergang gestaltet und wie weit wir danach kommen. Zumindest Olgy ist angedacht.<br \/>\nHeute wollen wir unsere Vorr\u00e4te noch ein wenig auffrischen und dann mal gucken, wie wir den Abend gestalten. Wahrscheinlich ganz entspannt bei einem Bier und dann relativ zeitig zu Bett.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>15. Juli. 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